Heinz Erhardt

1909: Geburt in Riga

"20. Februar 1909. Das Thermometer zeigte 11 Grad minus und die Uhr 11 Uhr vormittags, als vor unserem Haus das Hauptwasserrohr platzte. Im Nu war die Straße Überschwemmt und im gleichen Nu gefroren. Die Kinder kamen zuhauf, um auf ihren Schuhen schlittzulaufen. - (Hier gehen die Meinungen auseinander, denn man kann Schlitt auch groß schreiben, wie zum Beispiel: Ich fahre Boot. Andrerseits schreibt man: Ich fahre rad. Ich bin beim kleinen schlitt geblieben, weil es sich ja hier um Kinder handelt.) - Ich selbst konnte mich an diesem fröhlichen Treiben nicht beteiligen, weil ich noch nicht geboren war. Dieses Ereignis fand erst gegen Abend statt, und da war die Eisbahn längst gestreut." (Aus Heinz Erhardts unvollendeter Autobiografie "Ich war eine frühentwickelte Spätausgabe") 

 

Heinz Erhardt wurde als Sohn eines Kapellmeisters am 20. Februar 1909 in Riga geboren.

Die Eltern von Heinz Erhardt ließen sich schon früh scheiden, so dass er bei den Großeltern in Riga aufwuchs. In der Zeit von 1919 bis 1924 lebte er in Hannover und in der Wennigser Mark. Nach zahlreichen Schulwechseln verließ er die Schule ohne Abitur. In den Jahren 1927 und 1928 absolvierte er eine Lehre in dem größten Leipziger Musikhaus, um später die großväterliche Musikalienhandlung und Konzertagentur Nelder zu übernehmen. Nebenbei studierte Heinz Erhardt am Leipziger Konservatorium Klavier, auf den sogenannten Bunten Abenden wirkte er als Stegreifkomiker.

Nach seiner Lehre fand er eine Anstellung im großväterlichen Betrieb, parallel dazu spielte er auf dem Klavier und komponierte. Als im Jahr 1929 sein Großvater starb, übernahm zunächst sein Stiefvater den Betrieb. Er selbst arbeitete an Unterhaltungsprogrammen und führte diese bei Vereins- und Familienfesten auf. 1932 stellten sich erste Bühnenerfolge des Deutschen Schauspiels in Riga ein, Heinz Erhardt wurde als regionale Komikergröße gefeiert. Doch trotz großer Akzeptanz bei Presse und Publikum blieb der ganz große Erfolg zunächst aus, und Erhardt ging weiterhin seinem Brotverdienst im Musikalienhandel nach.

Im Jahr 1935 heiratete er Gilda Zanette. Aus der Ehe gingen die drei Kinder Grit (1936), Verena (1940), Gero (1943) und Marita (1944) hervor. Der Durchbruch als Theaterschauspieler kam 1938 mit einem Engagement am renommierten Berliner "Kabarett der Komiker", an das ihn die bekannte Persönlichkeit Willi Schaeffers holte. Auch der Anfang des Zweiten Weltkrieges konnte die wachsende Popularität von Heinz Erhardt nicht aufhalten. Zusammen mit der bekannten Tänzerin trat er als Pianist und Entertainer auf. Ab 1941 leistete Erhardt seinen Kriegsdienst ab, indem er sich als Truppenbetreuer auf Tournee bis an vorderste Front begab.

Nach dem Krieg startete Heinz Erhardt in Hamburg einen Neuanfang und moderierte 1946 die Unterhaltungsendung "So was Dummes" im Radio. Schon im Jahr darauf spielte er wieder Theater in Hamburg. Mit der Komödie "Lieber reich, aber glücklich" gelang ihm der Durchbruch. Zehn Jahre später startete er mit der Hauptrolle in dem Streifen "Der müde Theodor" seine Kinokarriere. In den folgenden 15 Jahren wirkte Erhardt in insgesamt 39 Filmen mit. 1961 gründete er seine eigene Produktionsfirma, die Heinz Erhardt Productions (HEP), die mit dem Krimi "Abenteuer in Norfolk" ihr Debüt gab. Drei Jahre später musste er den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen wieder einstellen.

Heinz Erhardt verfasste seine witzigen Reime und Sketche in Buchform, und 1963 erschien das erste Werk mit dem Titel "Noch`n Gedicht". Die geschriebenen Werke gingen in hoher Auflage über die Ladentheke, es folgten weitere Gedichtbände und der Sammelband "Das Große Heinz Erhardt Buch". Ein Schlaganfall im Jahr 1971 setzte der Karriere des Komikers ein jähes Ende. Anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 1971 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Heinz Erhardt starb am 5. Juni 1979 in Hamburg.